Alt 06.10.18, 08:37
Standard Arbeitsmarktbericht vertreibt Sorgen um Zinstempo nicht
Beitrag gelesen: 290 x 

NEW YORK (Dow Jones)--Mit einem deutlichen Minus hat die Wall Street am Freitag den letzten Handelstag der Woche beendet. Der weitere Anstieg der Renditen sorgte erneute für verstärkte Verkäufe der Investoren, hieß es. Der mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht für September konnte zudem die Sorgen um eine schnellere Gangart der US-Notenbank bei den Zinserhöhungen nicht ausräumen. Marktteilnehmer sprachen von verstärkten Umschichtungen aus Aktien mit einer guten Entwicklung im Jahresverlauf, wie zum Beispiel den Technologiewerten, in defensive Aktien wie Versorger. Die steigenden Renditen machen Aktien zunehmend unattraktiver.

"Die Technologiewerte standen in dieser Woche definitiv unter Abgabedruck", sagte Portfolio-Manager Jeff James von Driehaus Capital Management. Es handele sich allerdings nur um eine Korrektur nach der starken Entwicklung in diesem Jahr und nicht um eine fundamentale Kehrtwende. Während der Technologie-Sektor im S&P-500 mit einem Minus von 1,6 Prozent einer der schwächsten Sektoren war, verbesserte sich der Versorger-Sektor um 1,6 Prozent und führte die Gewinnerliste an. Im Dow verloren Intel 2,3 Prozent und für die Apple-Aktie ging es 1,6 Prozent abwärts.

Der Dow-Jones-Index reduzierte sich um 0,7 Prozent auf 26.447 Punkte. Am Mittwoch war der Index noch bis knapp an die Marke von 27.000 Punkten herangelaufen. Der S&P-500 büßte 0,6 Prozent auf 2.886 Punkte ein und der Nasdaq-Composite fiel um 1,2 Prozent auf 7.788 Punkte. Der technologielastige Index markierte damit seine schwächste Handelswoche seit März. Umgesetzt wurden 838 (Donnerstag: 793) Millionen Aktien. Den 981 (625) Kursgewinnern standen 2.026 (2.417) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 76 (56) Titel.

US-Arbeitsmarktbericht bringt keine Klarheit über Zinstempo

Der mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht brachte keine Klarheit, ob die US-Notenbank bei ihren Zinserhöhungen das Tempo verschärfen wird. Das Hauptaugenmerk galt vor allem der Lohnentwicklung. Und die hat sowohl auf Monats- wie auch Jahressicht die Erwartungen getroffen. Im August hatte das annualisierte Lohnwachstum bei 2,9 Prozent gelegen, nun sank es auf 2,8 Prozent. Dass der Stellenaufbau dagegen deutlich schwächer als vorhergesagt ausgefallen sei, werde durch die signifikante Hochrevidierung der Augustzahlen ausgeglichen, hieß es. Die Arbeitslosenquote fiel auf den tiefsten Stand seit 1969.

"Die Stundenlöhne entwickeln sich definitiv positiv, was ein Alarmsignal für den Markt ist", so Ökonom Peter Cardillo von Spartan Capital Securities. "Dies wird den Anleihemarkt weiter unter Druck halten, was im Gegenzug einen Anstieg der Renditen bedeutet und eine weitere Dollar-Stärke nach sich ziehen dürfte - das sind schlechte Nachrichten für den Aktienmarkt", so der Experte weiter.

Am US-Anleihemarkt gaben die Notierungen nach, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg um 5,1 Basispunkte auf 3,24 Prozent und damit den höchsten Stand seit sieben Jahren. "Wir stufen die Entwicklung am Arbeitsmarkt als kontinuierlich ein und sehen darin keinen Anlass für die Fed, ihren Kurs zu ändern", so Investment-Stratege Matt Toms von Voya Investment Management. Die schwächere Entwicklung im September könnte auch den Auswirkungen durch den Hurrikan "Florence" geschuldet sein, ergänzte ein Ökonom.

Costco enttäuscht

Für die Aktien von Costco ging es um 5,6 Prozent abwärts. Der Einzelhändler blieb im vierten Quartal des Geschäftsjahres umsatzseitig hinter den Erwartungen zurück. Der Gewinn traf dagegen die Prognosen. Zudem wurden die Investoren von einer Warnung des Unternehmens verschreckt, wonach Costco wegen Problemen ihr internes Kontrollsystem zur Finanzberichterstattung überprüft.

Die Tesla-Aktie verlor 7,1 Prozent. Analyst David Einhorn von Greenlight Capital hat davor gewarnt, dass Tesla den gleichen verhängnisvollen Weg wie Lehman Brothers gehen könnte. Tesla-Chef Elon Musk lässt in der Auseinandersetzung mit der US-Börsenaufsicht SEC nicht locker. Nach der Einigung im Streit über seine Tweets zum zwischenzeitlich erwogenen Börsenrückzug provoziert Musk weiter. Teslas Aktien zählen am US-Markt zu den Papieren, gegen die die meisten Wetten auf einen Niedergang laufen, so ein Teilnehmer.

Die Aktien von Delphi Technologies brachen um 12,9 Prozent ein, nachdem das Unternehmen die Prognose für das Gesamtjahr kassiert hat. Zudem hat der CEO des Automobilzulieferers unerwartet seinen Stuhl geräumt.

Arbeitsmarktbericht bewegt Gold und Dollar kaum

Der Goldpreis legte mit dem US-Arbeitsmarktbericht leicht zu, nachdem die Zahl der neu geschaffenen Stellen hinter den Erwartungen geblieben war. Der Preis für die Feinunze verteuerte sich zum US-Settlement um 0,3 Prozent auf 1.206 Dollar. Auf Wochensicht steht ein Plus von 0,8 Prozent zu Buche.

Der Dollar reagierte nur moderat auf den US-Arbeitsmarktbericht. Der Euro kostete im späten US-Handel mit 1,1524 etwas mehr als vor Bekanntgabe der Daten und auch gegenüber dem Vorabend. Dagegen kletterte das britische Pfund über die Marke von 1,31 Dollar. Hintergrund für die positive Tendenz war ein Bloomberg-Bericht, wonach die EU Großbritannien eine "besondere" Freihandelszone angeboten haben soll. Der Bericht berief sich auf nicht namentlich genannte EU-Offizielle.

Am Ölmarkt zeigten sich die Notierungen wenig verändert. Den Markt beschäftigte weiter die Frage, wie zu erwartende Förderausfälle des Iran im Zuge der neuen US-Sanktionen ausgeglichen werden sollen. Diese treten am 4. November in Kraft. Die bereits zu erkennenden Lieferausfälle haben eine Diskussion darüber entfesselt, ob und in welchem Umfang andere Förderländer dies ausgleichen werden. Die Meinungen gehen hier auseinander. Die Anzahl der aktiven Förderanlagen in den USA ist die dritte Woche in Folge gefallen, vermeldete Baker Hughes. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI lag zum US-Settlement kaum verändert bei 74,34 Dollar, Brent fiel um 0,5 Prozent auf 84,16 Dollar.

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/DJN/ros

(END) Dow Jones Newswires

October 05, 2018 16:18 ET (20:18 GMT)

Copyright (c) 2018 Dow Jones & Company, Inc.
Für Inhalt und Rechtmäßigkeit dieses Beitrags trägt der Verfasser Dow Jones die alleinige Verantwortung. (s. Haftungshinweis)  
 Es ist 15:45 Uhr.
Top 



copyright: imagine Grafik - DTP - Webdesign - [AGB / Datenschutz]