Alt 12.01.23, 18:48
Standard „Keine Angst vor den Daten“
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US-Einkaufsmanagerindex unter Druck.

Die Sorge vor einer Rezession treibt Anleger weiter um. Zuletzt fiel der Blick auf die US-Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor, die sowohl vom ISM (Institute for Supply Management) als auch von S&P Global veröffentlicht werden. Auffallend ist hierbei, dass der positive Trend des ISM-Index im Dezember 2022 abrupt endete. Damit wurde auch die Divergenz zum S&P Global-Index beendet, welcher sich bereits seit Juli 2022 im kontraktiven Bereich befindet, also unterhalb der magischen Schwelle von 50 Punkten. Gerade der relativ robuste ISM-Index, der über die Tendenz verfügt, nur bei Eintritt einer Rezession zu schrumpfen, zieht nunmehr sorgenvolle Blicke auf sich. Aus unserer Sicht enthüllen diese Daten jedoch für Aktienmärkte nichts Neues.

Trends beachten

Die Divergenz der beiden Einkaufsmanagerindizes ist in der Zusammensetzung der Branchen begründet, zudem ist der von S&P Global ermittelte Gesamtwert für das Dienstleistungsgewerbe nicht wie beim ISM eine Zusammenfassung mehrerer Umfragen, sondern lediglich der Produktionswert. Da die Produktion allerdings eher ein Zufallsindikator ist, lohnt sich der Blick auf die zukunftsorientierten Komponenten, die für den ISM-Rückgang verantwortlich sind.

Angeführt wurde der Abwärtstrend von den Auftragseingängen, die sozusagen für die künftige Produktion stehen. Diese Komponente ging kräftig von 56,0 im November auf 45,2 im Dezember zurück. Ein genauerer Blick auf die einzelnen Branchen offenbart jedoch, dass weiterhin elf der 17 Branchen Wachstum anzeigen. Darunter unter anderem der Einzelhandel, Gesundheits- und Sozialwesen, Kunst, Unterhaltung, Bergbau, Transport und Lagerhaltung, Finanzen und Versicherungen – ein verflixt großer Teil des Dienstleistungssektors. Im kontraktiven Bereich befinden sich dagegen Immobilien, Vermietung und Leasing, Großhandel, sonstige Dienstleistungen, Information, Baugewerbe und Bildungsdienstleistungen.

Gibt es neue Informationen?

Die Probleme des US-Immobilienmarktes sind hinlänglich bekannt, Hausverkäufe, Baubeginne und Baugenehmigungen sind seit Monaten schwach. Es liegt auf der Hand, dass sich dies alles im Immobilien- und Baubereich des zugehörigen Einkaufsmanagerindex niederschlagen würde. In ähnlicher Weise kündigen Technologie- und technologieähnliche Unternehmen seit Monaten einen Einstellungsstopp und Stellenabbau an und ihre Gewinne und Einnahmen stehen seit der Pandemie auf dem Prüfstand. Auch hier bestätigen uns die Daten für den Dienstleistungssektor also nur, was wir bereits wussten. Dasselbe gilt für den Großhandel und den monatlichen Bericht über die Verbraucherausgaben.

Es gibt reichlich Grund zu der Annahme, dass die Aktienmärkte all dies bereits widerspiegeln und im Rahmen eines milden Bärenmarkts verarbeitet haben. Die Informationstechnologie, der technikähnliche Teil der Kommunikationsdienste und die Immobilienbranche sind im letzten Jahr stärker gefallen als der Markt. Für uns ist dies nur ein weiteres Indiz dafür, dass eine US-Rezession, sollte es tatsächlich zu einer solchen kommen, wenig Überraschungspotenzial hätte.

Fazit

Aktien blicken nach vorne, in der Regel auf den Zeitraum der nächsten drei bis 30 Monate. Der Fokus geht also weit über den Gegenwind hinaus, mit dem der Dienstleistungssektor aktuell konfrontiert wird. Aus unserer Sicht wird auch die Bestätigung einer US-Rezession keine Verwerfungen mit sich bringen, sondern den Anlegern Klarheit verschaffen und ihnen dabei helfen, den Blick ebenso nach vorne zu richten.

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Für Inhalt und Rechtmäßigkeit dieses Beitrags trägt der Verfasser Thomas Grüner die alleinige Verantwortung. (s. Haftungshinweis)  
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