Alt 23.07.20, 17:22
Standard Schwache Arbeitsmarktdaten dämpfen Stimmung an Wall Street
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NEW YORK (Dow Jones)--Schlechte Nachrichten vom Arbeitsmarkt dämpfen am Donnerstag die Kauflaune der Anleger an den US-Börsen. Belastend wirkt auch die jüngste Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China. Nachdem die USA die Schließung des chinesischen Konsulats in Houston angeordnet hatten, drohte US-Präsident Trump mit der Schließung weiterer Konsulate. Mehrere ranghohe Politiker brachten das Konsulat in Verbindung mit chinesischen Spionage-Aktivitäten. "Vorsichtige" Hoffnungen auf ein neues Corona-Hilfspaket und überzeugende Quartalsausweise, etwa von Tesla, verhindern allerdings größere Abgaben.

Kurz nach Handelsbeginn sinkt der Dow-Jones-Index um 0,3 Prozent auf 26.929 Punkte. Der S&P-500 fällt um 0,1 Prozent, während der Nasdaq-Composite um 0,2 Prozent nachgibt.

Im Streit um weitere Unterstützungsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie haben sich die Republikaner im US-Senat mit dem Weißen Haus geeinigt. Nun können Verhandlungen mit den Demokraten über ein fünftes Rettungspaket aufgenommen werden. Die Zeit drängt, denn Ende des Monats läuft ein Unterstützungsprogramm aus, in dessen Rahmen Millionen von arbeitslosen Amerikanern eine zusätzliche Finanzhilfe von wöchentlich 600 Dollar erhalten. "Es scheint auf eine Verlängerung des Programms hinauszulaufen", meint Andrew Hunter, Volkswirt bei Capital Economics. Die Datenlage lege nahe, dass der Bedarf an finanzieller Unterstützung in den zurückliegenden Wochen gestiegen sei.

Aktuelle Daten vom Arbeitsmarkt bestätigen diese These: Vorbörslich wurde die viel beachtete Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe aus der Vorwoche veröffentlicht. Demnach beantragten 1,416 Millionen Amerikaner erstmals Arbeitslosenhilfe. Volkswirte hatten mit 1,3 Millionen Erstanträgen gerechnet. Die Zahl aus der Woche davor wurde auf 1,307 Millionen revidiert, nachdem zunächst 1,3 Millionen Erstanträge gemeldet worden waren. Eine halbe Stunde nach der Startglocke folgt der Index der Frühindikatoren.

Tesla überrascht mit viertem Quartalsgewinn in Folge

Hoffnungsvoll stimmt indessen, dass sich einige Unternehmen in der Krise besser schlagen als gedacht. Die Befürchtungen wegen der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie seien zwar nicht ausgeräumt, doch hätten bislang schon etliche Unternehmen bessere Zahlen vorgelegt als befürchtet, sagt Altaf Kassam, Leiter der Investmentstrategie bei State Street Global.

Die Twitter-Aktie springt um 5,2 Prozent nach oben. Der Betreiber des gleichnamigen Kurznachrichtendiensts hat zwar im zweiten Quartal einen deutlichen Verlust geschrieben und mit Umsatz wie Ergebnis die Erwartungen verfehlt, gleichzeitig aber mehr Nutzer hinzugewonnen als erwartet.

Die am Mittwoch nach Börsenschluss vorgelegten Zweitquartalszahlen von Tesla werden ebenfalls positiv aufgenommen; die Aktie legt um 3,3 Prozent zu. Der Hersteller von Elektroautos hat das vierte Quartal in Folge einen Gewinn vermeldet. Analysten hatten hingegen prognostiziert, dass Tesla in die Verlustzone rutschen würde.

Mit einem Minus von 1,1 Prozent reagiert derweil die Microsoft-Aktie auf den Zahlenausweis, den der Konzern ebenfalls schon am Mittwoch nach Handelsende veröffentlicht hat. Das Unternehmen steigerte seinen Umsatz im vierten Geschäftsquartal um 13 Prozent, und das Nettoergebnis fiel dank des starken Cloudgeschäfts nicht so stark wie befürchtet, doch bemängeln Analysten die Margen in einigen Teilbereichen.

Durchwachsen sind auch die Zahlen ausgefallen, die der Süßwarenkonzern Hershey am Donnerstag veröffentlicht hat. Allerdings ist das Management zuversichtlich, den Umsatz im zweiten Halbjahr wieder steigern zu können. Die Aktie steigt um 3,8 Prozent.

Ebenfalls nach Zahlenvorlage geben die Aktien des Telekomkonzerns AT&T um 1,2 Prozent nach. Der Quartalsausweis der Fluggesellschaft American Airlines wird mit einem Minus von 2,2 Prozent quittiert.

Gold nähert sich Rekordhoch

Die schwächeren Arbeitsmarktdaten lassen Anleger zu Staatsanleihen greifen. Die Zehnjahresrendite sinkt um 2,2 Basispunkte auf 0,57 Prozent.

Die Feinunze Gold verteuerte sich zeitweise auf knapp 1.889 Dollar, den höchsten Stand seit fast neun Jahren und nur noch gut 30 Dollar unter dem damaligen Allzeithoch. Aktuell zeigt sich der Preis jedoch kaum verändert bei 1.872 Dollar. "Gold hat das Potential, bis 2.000 US-Dollar pro Feinunze bis zum Jahresende zu steigen. Im Jahr 2021 sind 2.200 Dollar drin", heißt es bei Vontobel. Für das Gold sprächen aktuell die Geldpolitik, die Fiskalpolitik, die grüne Energiewende sowie Angebotsengpässe. Im Windschatten des Goldpreises legt derweil auch der Silberpreis weiter zu. Er zeigte laut der Commerzbank zuletzt sogar noch mehr Dynamik als der Goldpreis.

Der Euro konsolidiert unter dem jüngsten Hoch von 1,1602 Dollar. Zwar habe der Euro gegenüber dem Dollar deutlich zugelegt und sei auf dem besten Wege zu einem Zweijahreshoch, doch der Anstieg sei zu einem guten Teil auch auf eine allgemeine Dollar-Schwäche zurückzuführen, befindet Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen und betont, das Aufwertungspotenzial des Euro nicht zu unterschätzen. Sobald der Markt über die kurzfristigen Konjunktureffekte des jüngsten EU-Deals hinwegschaue und sich auch auf die langfristigen Implikationen fokussiere, könne er sich auf einen stärkeren Aufwertungstrend begeben. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei rund 1,1570 Dollar.

Die Ölpreise geben nach. Eigentlich spreche Einiges für höhere Preise, meint Energy Aspects und nennt etwa die von Saudi-Arabien und Russland bekundete Absicht, den Großteil der geplanten Fördermengenerhöhungen dem heimischen Markt zur Verfügung zu stellen. Allerdings fehlten chinesische Käufe. Die Öllager in China seien voll, dazu kämen widrige Umstände wie die Überschwemmungen im Süden des Landes. Es werde also noch einige Zeit dauern, bis China wieder als Käufer auftrete. Das Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI ermäßigt sich um 0,7 Prozent auf 41,60 Dollar. Der Brentpreis fällt um 1,0 Prozent auf 43,83 Dollar.

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July 23, 2020 09:46 ET (13:46 GMT)

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