Alt 14.10.19, 22:24
Standard Zweifel an Lösung im Handelsstreit dämpfen Kauflaune
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NEW YORK (Dow Jones)--Nachdem die Anzeichen für eine Annäherung im US-chinesischen Handelsstreit die Wall Street am Freitag noch kräftig nach oben getrieben hatten, machte sich zum Wochenstart wieder eine verstärkte Skepsis breit.

Die Kurse gaben leicht nach. Der Dow-Jones-Index sank um 0,1 Prozent auf 26.787 Punkte. Der S&P-500 und der Nasdaq-Composite verloren ebenfalls je 0,1 Prozent. Den 1.278 (Freitag: 2.268) Kursgewinnern standen 1.641 (708) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 84 (71) Titel. Wegen des Feiertags Columbus Day seien die Umsätze am Aktienmarkt etwas geringer als üblich ausgefallen, berichteten Händler. Der Anleihemarkt blieb am Montag geschlossen.

Die Einschätzungen der beiden Länder über den aktuellen Stand der Dinge gehen auseinander. Während US-Präsident Donald Trump von einer teilweisen Einigung sprach, vermeldete Peking lediglich Fortschritte in den Gesprächen. Immerhin sollen die für diese Woche geplanten weiteren US-Strafzölle nicht in Kraft treten. Doch sind einige wichtige Fragen in den Verhandlungen nach wie vor unbeantwortet. Es besteht zudem das Risiko, dass es wieder zu einer Verschärfung des Handelskonflikts kommen könnte.

Auch besteht Peking laut einem Medienbericht auf weiteren Gesprächen mit den USA, bevor es ein Abkommen unterzeichnen will. Schon Ende Oktober wolle China weitere Verhandlungen führen, um Details zu klären, berichtete Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise. Denn die jüngste Vereinbarung wurde nicht schriftlich fixiert, sondern nur grundsätzlich getroffen.

Leicht belastend wirken auch erneut schwache Wirtschaftsdaten aus China. So fielen die Exporte Chinas im September etwas deutlicher als erwartet. Gleiches gilt auch für die Importe. Damit bleiben die Auswirkungen des Handelsstreits spürbar.

Der nächste Handelsstreit droht - zwischen den USA und der EU

Ein Handelsstreit zwischen den USA und der EU könnte zudem einen neuen "Kriegsschauplatz" eröffnen. Ab dem 18. Oktober könnten die USA Strafzölle auf EU-Importe im Volumen von 7,5 Milliarden Euro erheben. Auch muss Washington bis Mitte November entscheiden, ob zukünftig Zölle auf EU-Autoimporte erhoben werden, was die Analysten von Berenberg jedoch für unwahrscheinlich halten. Wahrscheinlicher seien neue Gespräche.

Wichtige US-Daten standen zu Wochenbeginn nicht auf der Agenda. In den Fokus rückt verstärkt die Berichtssaison, die in dieser Woche Fahrt aufnimmt. So werden am Dienstag die US-Banken Goldman Sachs, Wells Fargo, Citigroup und JP Morgan ihre Quartalsberichte vorlegen. Am Mittwoch wird dann Bank of America ihre Quartalszahlen veröffentlichen, als Abschluss folgt am Donnerstag Morgan Stanley. Zudem stehen in den kommenden Tagen die Geschäftszahlen von Coca-Cola, Johnson & Johnson und IBM an.

Ölpreise deutlich unter Druck - Goldpreis etwas erholt

Die Ölpreise gaben mit der wieder gestiegenen Skepsis in Bezug auf die jüngsten Vereinbarungen zwischen Washington und Peking kräftig nach und büßten damit ihre Gewinne vom Freitag vollständig ein. Die Hoffnung auf eine Entspannung und damit eine steigende Nachfrage hatte die Preise zum Wochenausklang nach oben getrieben. "Die globalen Öl-Märkte wurden tiefrot, nachdem China kaltes Wasser auf Trumps 'riesigen' Handelsvertrag geschüttet hat", so die Analysten von Mizuho. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI fiel um 2,0 Prozent auf 53,59 Dollar, Brent gab um 2,2 Prozent auf 59,17 Dollar nach.

Dagegen holte der Goldpreis seine Verluste vom Wochenausklang teilweise wieder auf, denn die Nachfrage nach dem "sicheren Hafen" Gold legte mit der steigenden Skepsis etwas zu. Auch die Aussicht auf Anleihekäufe der US-Notenbank stützte, denn diese würden die Marktzinsen drücken, womit das zinslos gehaltene Gold von dieser Seite weniger Konkurrenz bekäme. Die Feinunze verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 1.492 Dollar.

Der Rückenwind für den Euro nach den Fortschritten im Handelsstreit zwischen den USA und China flaute schon wieder ab. Wie auch das Pfund Sterling gab er zum Dollar leicht nach. Den kräftigen Euro-Gewinnen aus der Vorwoche, verursacht von Optimismus mit Blick auf die Handelsgespräche, dürfte nach Meinung der ING nicht mehr viel folgen. Die anfängliche Zuversicht ebbe bereits wieder ab, weil der "Mini-Deal" keine dauerhafte Lösung in dem Konflikt bedeute. Deswegen dürfte der erste positive Impuls nicht genug sein, den Dollar zu belasten oder eine große Erholung zyklischer Währungen auszulösen.

Beim Pfund drückten derweil auch Zweifel darüber, dass noch eine Vereinbarung für einen geregelten Brexit gefunden werden kann, nachdem in der Vorwoche vorübergehend neue Zuversicht aufgekommen war nach optimistisch klingenden Kommentaren aus den Verhandlungskreisen. Das Pfund notierte bei rund 1,2550 Dollar, nach Ständen von knapp über 1,27 Dollar am Freitag.

Conocophillips geben mit Anteilsverkauf nach

Unternehmensmeldungen waren zu Wochenbeginn dünn gesät. Der US-Konzern Conocophillips verkauft einige Vermögenswerte in Nordaustralien für 1,4 Milliarden US-Dollar an die australische Santos Ltd. Die Aktie reduzierte sich um 0,5 Prozent.

Die Aktie von Harley Davidson knickte nur kurz ein nach einem Bericht, wonach das Unternehmen die Herstellung eines neuen Elektromotorrads gestoppt hat. Grund sei ein Problem mit der Ladetechnik. Zum Handelsschluss notierten die Titel 0,3 Prozent höher.

Ein positiver Analystenkommentar hievte die Nike-Aktie nach oben. Sie gewann 1,1 Prozent auf 94,88 Dollar, nachdem sie von Bank of America-Merrill Lynch auf "Neutral" von "Underperform" hochgestuft worden war. Das Kursziel wurde auf 98 von 70 Dollar erhöht.

Für Tapestry ging es um 2,8 Prozent nach unten. Die Analysten von UBS hatten die Aktie des Modekonzerns, der Marken wie Coach oder Kate Spade unter seinem Dach vereint, auf "Neutral" von "Buy" abgestuft.

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October 14, 2019 16:10 ET (20:10 GMT)

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