Alt 15.10.22, 10:50
Standard Marktzinsen drücken Wall Street heftig ins Minus
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NEW YORK (Dow Jones)--Nach der Vortagesrally ist der Wall Street am Freitag im Verlauf die Luft ausgegangen. Grund waren erneut deutlich gestiegene Rentenrediten. Unerwartet positiv gestimmte US-Verbraucher belasteten den Rentenmarkt und trieben die Marktzinsen nach oben. Verstärkt wurde dieser Effekt, weil unter den Konsumenten gleichzeitig die Inflationserwartungen zulegten. Der Dow-Jones-Index drehte 1,3 Prozent ins Minus auf 29.639 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite büßten 2,4 bzw. 3,1 Prozent ein. An der Nyse wurden 593 (2.301) Kursgewinner gezählt, ihnen standen 2.585 (970) Verlierer gegenüber, während 109 (107) Titel unverändert schlossen.

"Das ist definitiv negativ für die Märkte. Wenn die Inflationserwartungen weiter steigen, ist das eine sehr besorgniserregende Entwicklung für die Fed", sagte Investmentstratege Dave Grecsek von Aspiriant. Im Handel hieß es aber auch, die Vortagesrally im Nachklapp auf überraschend hohe Verbraucherpreise sei übertrieben ausgefallen. Nun kehre angesichts weiter steigender Renditen wieder etwas mehr Realismus ein. Dieser wurde befördert von Aussagen von Esther George, Präsidentin der US-Notenbankfiliale in Kansas City. Sie erwartet weiter steigende Zinsen und kann sich sogar vorstellen, dass der endgültige Leitzins höher ausfallen und länger auf diesem Niveau verbleiben werde.

US-Banken mit Quartalszahlen im Fokus

Die mit Spannung erwarteten Geschäftsberichte der Großbanken zum dritten Quartal spielten am Gesamtmarkt keine große Rolle, obwohl sie mehrheitlich positiv überraschten. Eine höhere Kreditrisikovorsorge, steigende Kosten und Verluste aus Wertpapiergeschäften hatten JP Morgan einen deutlichen Gewinnrückgang beschert. Die Ergebnisse fielen aber insgesamt besser als von Analysten erwartet aus. Für die Aktie ging es um 1,7 Prozent nach oben. Wells Fargo hatte weniger verdient und blieb beim Gewinn auch hinter den Markterwartungen zurück. Das Einnahmenplus allerdings übertraf die Erwartungen. Die Aktie legte um 1,9 Prozent zu.

Die Citigroup (+0,7%) hatte wegen höherer Kosten und der Vorsorge für Kreditausfälle deutlich weniger verdient. Das Ergebnis fiel aber höher aus als die Marktprognosen. Morgan Stanley (+0,1%) hatte vor allem wegen eines Einbruchs im Investmentbanking weniger verdient und eingenommen. Das Ergebnis verfehlte die Erwartungen.

Zwiespältige Verbraucherdaten

Die US-Verbraucher sendeten keine einheitlichen Signale aus. Einerseits hatte sich die Stimmung der US-Verbraucher im Oktober aufgehellt. Denn der an der Universität Michigan berechnete Index für die Verbraucherstimmung stieg deutlicher als gedacht. Andererseits enttäuschten die Einzelhandelsumsätze, die im September stagnierten, obwohl der Markt auf einen Anstieg gesetzt hatte. Nachlassenden Inflationsdruck zeigen die Importpreise. Angesicht steigender Renditen ging das aber unter.

Benchmarkrendite über 4 Prozent

Die US-Anleihen gerieten mit dem gestiegenen Verbrauchervertrauen bzw. den erhöhten Inflationserwartungen unter Druck, die Renditen drehten heftig ins Plus - auch befeuert von den George-Verlautbarungen. Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen stieg wieder über die Marke von 4 Prozent.

Der Dollar erholte sich getrieben von steigenden Marktzinsen von den Vortagesabgaben, der Dollarindex kletterte um 0,8 Prozent. Die September-Inflationszahlen in den USA dürften einige Marktteilnehmer daran erinnert haben, dass selbst der scheinbar "super-aggressive" Kurs der Fed viel zu wenig aggressiv sein könnte, sagte Analyst Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank.

Anziehende Marktzinsen und der feste Dollar setzten dem Goldpreis zu. Die Ölpreise geben ihre Vortagesgewinne wieder ab und verbuchten den höchsten Wocheneinbruch seit Anfang August. Die schwachen Einzelhandelsumsätze könnten bereits den Beginn einer Rezession mit einer sinkenden Erdölnachfrage einläuten, hieß es. Zusätzlicher Abgabedruck kam auf, als Daten des Ölfelddienstleisters Baker Hughes zeigten, dass die Anzahl der in Betrieb befindlichen Ölförderanlagen in den USA deutlich gestiegen war. Eine womöglich schwache Nachfrage treffe auf ein zulegendes Angebot, so Händler.

US-Supermarktketten fusionieren

Nachdem es am Vortag bereits Spekulationen gegeben hatte, ist es nun offiziell: Die US-Supermarktkette Kroger will den Konkurrenten Albertsons übernehmen. Die Transaktion bewertet Albertsons mit 24,6 Milliarden Dollar und ist eine der größten in der Geschichte der US-Lebensmittelindustrie. Kroger verloren 7,3 Prozent, Albertsons fielen um 8,4 Prozent. Analysten sahen Kartellprobleme. Die Ratingagenturen S&P Global und Moody's senkten ihren Bonitätsausblick für Kroger auf negativ.

Der Krankenversicherer Unitedhealth (+1%) hatte im dritten Quartal trotz enorm gestiegener Kosten mehr verdient als Analysten erwartet hatten. Zudem wurde die Gewinnprognose für das laufende Gesamtjahr erhöht. Nutanix schnellten um 24,6 Prozent hoch, laut Wall Street Journal prüft das Cloud-Computing-Unternehmen den eigenen Verkauf.

Kontakt zum Autor: florian.faust@wsj.com

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October 14, 2022 16:12 ET (20:12 GMT)

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