Alt 15.09.20, 17:03
Standard Freundlicher Grundton und Kurssturz bei Grenke
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FRANKFURT (Dow Jones)--Die Hoffnungen auf einen Konjunkturaufschwung stützen am Dienstag die Kurse an den europäischen Märkten. Am Nachmittag verteidigen DAX und Euro-Stoxx-50 die leichten Aufschläge, die sie nach den günstigen Zahlen vom ZEW-Konjunkturindex eingesammelt hatten. Allerdings führt die Sitzung der US-Notenbank nun zu einer abwartenden Haltung, Ergebnisse werden erst am Mittwoch erwartet. DAX gewinnt gegen 16.00 Uhr 0,3 Prozent auf 13.238 Punkte, der Euro-Stoxx-50 zieht um 0,6 Prozent auf 3.336 Punkte an. Thema Nummer eins ist - zumindest am deutschen Markt - allerdings der Kurssturz der Grenke-Aktien, die mehr als 20 Prozent absacken.

Am Nachmittag brechen Grenke um 22 Prozent auf 42,86 Euro ein. Nach Ansicht von Viceroy Research ist die Grenke-Aktie "uninvestierbar wegen unverhohlenen Betrugs in der Buchführung". Darunter seien Dutzende Transaktionen mit nicht angegebenen verbundenen Gesellschaften. Die internen Kontrollen fehlten bei Grenke komplett, so Viceroy.

Ein Sprecher von Grenke kündigte auf Anfrage von Dow Jones Newswires eine Stellungnahme zu den Vorwürfen an. Aktuell könne er nichts dazu sagen.

Viceroy setzt über Short-Positionen auf fallende Kurse. Hinter Viceroy Research steckt der britische Investor Fraser Perring, der unter anderem bei Wirecard engagiert war. Dort hatte er bereits 2016, damals noch mit seinem Partner Matthew Earl unter dem Namen "Zatarra Research & Investigations", vor Unregelmäßigkeiten gewarnt.

"Viele Analysten werden nun auf dem falschen Fuß erwischt", so ein Händler. Zuletzt habe es in der Aktie drei Kauf- und vier Halteempfehlungen, aber nur eine Reduce-Empfehlung gegeben. Andererseits seien schon im August viele Short-Positionen aufgebaut worden. Der Chart habe Ende August/Anfang September eine Top-Formation vollendet.

ZEW-Kojunkturerwartungen so hoch wie zuletzt vor 20 Jahren

Am Gesamtmarkt bleibt es aber nach der ZEW-Konjunkturumfrage bei dem freundlichen Grundton. Die Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren haben sich im September entgegen den Vorhersagen weiter verbessert und liegen nun auf dem höchsten Niveau seit dem Jahr 2000. Weder die Brexit-Sorgen noch die erhöhten Corona-Neuinfektionen können derzeit die Stimmung trüben. Die Marktstrategen der Helaba bewerten die Umfrageergebnisse als Indiz für eine kräftige Erholung der Wirtschaft im dritten Quartal.

Der Index der Konjunkturerwartungen stieg auf 77,4 Punkte von 71,5 im Vormonat. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten dagegen einen Rückgang der Konjunkturerwartungen auf 70,0 vorausgesagt. Der Index der Lagebeurteilung verbesserte sich von minus 81,3 auf minus 66,2 Punkte. Erwartet worden war lediglich ein Anstieg auf minus 72,0.

Abwartende Haltung vor Sitzung der US-Notenbank

Trotz der guten Zahlen hängen die Indizes aber nach wie vor in der Seitwärtsbewegung der vergangenen Tage fest, beim DAX liegt sie zwischen 13.100 und gut 13.300 Punkten. Händler sprechen auch von einer abwartenden Haltung vieler Anleger vor der Sitzung der US-Notenbank. Thomas Altmann von QC Partners ist wie die Mehrheit der Marktteilnehmer der Meinung, dass die Fed an ihrem Leitzins nicht rütteln wird. Die Änderung in der Inflationsstrategie hatte Fed-Präsident Jerome Powell bereits im Rahmen seiner Rede in Jackson Hole kommuniziert. Interessant wird jetzt sein, ob es dazu nun Details gibt.

Positive Signale für die globale Erholung der Wirtschaft nach dem Corona-Einbruch kommen erneut aus China. Die Einzelhandelsumsätze, wichtiger Gradmesser für Chinas Konsum, legten erstmals in diesem Jahr wieder zu und stiegen im August um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Industrieproduktion stieg im vergangenen Monat, und zwar um 5,6 Prozent, Ökonomen hatten hier ein Wachstum von 5,2 Prozent erwartet.

Im DAX steigen Heidelbergcement um 1,4 Prozent auf 55,32 Euro. Das Brokerhaus Mainfirst hat die Aktien mit einem Kursziel von 65 Euro auf die Empfehlungsliste gesetzt. Bayer ziehen um 3 Prozent an auf 56,99 Euro. "Die Anleger setzen auf weitere Fortschritte bei der Beilegung der Glyphosat-Klagen in den USA", so ein Händler. Danben sind Fresenius im Zuge guter Nachfrage nach europäischen Pharma-Aktien mit einem Plus von 1,8 Prozent gesucht. Auf der anderen Seite geben MTU und Conti nach den jüngsten Aufschlägen schon wieder nach, MTU um 0,9 und Conti um 1,4 Prozent. Schwach notieren auch Deutsche Bank und - im MDAX - Commerzbank.

H&M überrascht positiv

Bei den Sektorenindizes ziehen der Stoxx-Index der Rohstoff-Aktien um knapp 2 Prozent an, die Indizes der Pharma-Werte und der Einzelthandelstitel um jeweils gut 2 Prozent. Bei den Einzelhandelswerten ragen H&M mit einem Plus von 11 Prozent heraus. Die Analysten von Jefferies bewerten erste Zahlen des schwedischen Modehändlers zum Gewinn im dritten Quartal positiv. Vor Steuern erwartet das Unternehmen ersten Schätzungen zufolge ein Plus von 2 Milliarden Kronen, dagegen gehe der Konsens nur von einem ausgeglichenen Ergebnis aus. Die Umsätze lagen dagegen im Rahmen der Erwartungen. Auch der Ausblick auf das Schlussquartal wird positiv gesehen. Das stationäre Geschäft findet so langsam den Weg in die Normalität, zum Ende des dritten Quartals waren noch etwas mehr als 200 Geschäfte vorübergehend geschlossen, gegenüber rund 900 zu Beginn des Quartals.

Fiat Chrysler steigen um 9,3 Prozent. Das Unternehmen kürzt vor der Fusion mit PSA die Dividende. Die Entscheidung werde zu einer stärkeren Bilanz des kombinierten Unternehmens führen, merken die Analysten von Jefferies an. Die Logik des Zusammengehens bleibe überzeugend. Fiat Chrysler wird nun vor dem Abschluss der Fusion eine Bardividende von 2,9 Milliarden Euro an seine Aktionäre ausschütten, statt der zuvor vereinbarten 5,5 Milliarden Euro. Die PSA Group werde eine Vereinbarung über die Ausgliederung ihrer 46-prozentigen Beteiligung am Automobilzulieferer Faurecia vor dem Abschluss der Transaktion zu streichen. Stattdessen werde die Beteiligung im Wert von rund 2,7 Milliarden Euro erst nach dem Abschluss ausgegliedert. Peugeot notieren 2,4 Prozent im Plus, Faurecia fallen um knapp 7 Prozent.

Als neutral für die Daimler-Aktie wird von Händlern gewertet, dass die Stuttgarter in den USA einen weiteren Teilerfolg auf dem Weg zur endgültigen Einigung bei der Auseinandersetzung um zu hohe Diesel-Abgaswerte erzielt haben. "Die zu erwartenden Kosten sind bereits bekannt, nur eine Ablehnung hätte eine Überraschung geliefert", so ein Aktienhändler. Die US-Regulierungsbehörden hätten nun bereits geschlossenen Vergleichen zugestimmt. Die Kosten für die Vergleiche mit US-Behörden hatte der Konzern Mitte August auf rund 1,5 Milliarden Dollar beziffert, die Kosten für die Beilegung der Sammelklage von Verbrauchern auf rund 700 Millionen Dollar. Daimler notieren 0,5 Prozent leichter.

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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September 15, 2020 10:21 ET (14:21 GMT)

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