Alt 02.09.20, 20:30
Standard Berg- und Talfahrt - Ölpreise unter Druck
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NEW YORK (Dow Jones)--Die Rekordserie an den US-Börsen wackelt. Die Allzeithochs, die S&P-500 und die Nasdaq-Indizes am Dienstag erklommen hatten, sind zur Mittagszeit am Mittwoch in New York zwar schon wieder Geschichte; sie wurden gleich nach Handelsbeginn durch neue Rekordstände abgelöst. Seitdem ist aber eine Berg- und Talfahrt zu beobachten, wobei ausnahmsweise der zuletzt hochfliegende Technologiesektor etwas schwächelt. Der S&P-Subindex der Technologietitel verliert 1,8 Prozent.

Der Dow-Jones-Index steigt um 0,7 Prozent auf 28.855 Punkte. Der S&P-500 gewinnt 0,7 Prozent, während der Nasdaq-Composite knapp im Minus liegt. Im Tagestief hatte er von seinem frühen Tageshoch rund 1,5 Prozent wieder abgegeben. Erstmals war er gleich zu Handelsbeginn über die runde 12.000er Marke gestiegen. Gewinnmitnahmen dürften dabei eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

Die Anleger hoffen auf weitere Unterstützungsmaßnahmen der US-Regierung für die heimische Wirtschaft. Nach der US-Notenbank hat nun auch Finanzminister Steven Mnuchin den Kongress gedrängt, mehr Geld zur Bewältigung der Coronavirus-Krise zu bewilligen. Daneben sorgen Meldungen über aussichtsreiche Corona-Impfstoffkandidaten und deren beschleunigte Zulassung für Zuversicht.

Der Aktienmarkt habe in den zurückliegenden Monaten von der Wiederbelebung des Konsums nach der Lockerung von Coronavirus-Beschränkungen profitiert, sagt Seema Shah, Chefstrategin bei Principal Global Investors. Um den Konsum auf einem hohen Niveau zu halten, sei aber weitere staatliche Unterstützung dringend notwendig.

Konjunkturseitig sind die neuesten Signale widersprüchlich. Gemäß dem Arbeitsmarktbericht des Dienstleisters ADP wurden im August im privaten Sektor nur 428.000 Stellen geschaffen. Volkswirte hatten mit 1,17 Millionen viel mehr erwartet. Der ADP-Bericht gilt als Indikator für den offiziellen Arbeitsmarktbericht der US-Regierung am Freitag. Dafür sind die Auftragseingänge im Juli mit 6,4 Prozent zum Vormonat einen Tick stärker gestiegen als von Ökonomen erwartet.

Bewegung im Telekomsektor

Im Telekommunikationssektor zeichnet sich eine größere Übernahme ab. Altice USA bietet 7,8 Milliarden Dollar für die kanadische Cogeco. Deren kanadische Aktiva will Altice dann an den Cogeco-Großaktionär Rogers Communication weiterverkaufen. Altice USA gewinnen fast 3 Prozent. Cogeco schießen in Toronto um rund 16 Prozent nach oben, Rogers Communication verbessern sich um 4,9 Prozent.

Tesla kommen nach dem jüngsten Höhenflug auf ein Allzeithoch und dem Aktiensplit deutlicher zurück um gut 8 Prozent. Gedrückt wird der Kurs von der Nachricht, dass der zweitgrößte Aktionär, die Investmentgesellschaft Baillie Gifford & Co, nach dem guten Lauf der Aktie seine Beteiligung reduziert hat. Am Dienstag hatten Pläne des Elektroautobauers, Kapital über den Verkauf eigener Aktien zu beschaffen, die Tesla-Aktie bereits etwas belastet.

Für die Aktie der Warenhauskette Macy's geht es um 2 Prozent aufwärts. Das Unternehmen hat im zweiten Quartal einen höheren Umsatz als erwartet erzielt, wodurch der Verlust geringer ausfiel. Auch der Bekleidungshändler Guess ist nicht so tief in die roten Zahlen gerutscht wie befürchtet. Das wird mit einem Kursplus von 11 Prozent quittiert.

Für Vera Bradley geht es um fast 27 Prozent nach oben. Der Anbieter von Handtaschen und anderen Accessoires hat im zweiten Quartal überraschend schwarze Zahlen geschrieben, während Analysten einen Verlust prognostiziert hatten.

Dollar-Erholung geht weiter

Der Euro ist im Zuge einer fortgesetzten Erholung beim Dollar wieder deutlich unter die Marke von 1,19 Dollar gerutscht auf rund 1,1840, nachdem er am Dienstag kurz über 1,20 Dollar gesprungen war. Die Deutsche Bank betont, dass die Euro-Aufwertung am Dienstag erstmals seit einiger Zeit einen kritischen Kommentar von Seiten der EZB hervorgerufen habe. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hatte gesagt, "wenn es Kräfte gibt, die den Euro-Dollar-Wechselkurs bewegen, dann beeinflusst das unsere globalen und europäischen Prognosen und das wiederum beeinflusst unsere Geldpolitik."

Allerdings zeigt der Dollar auf breiter Front Stärke, abzulesen am 0,5 Prozent festeren Dollar-Index. Die Erholung hatte bereits am Dienstag eingesetzt nach einem gut ausgefallenen ISM-Einkaufsmanagerindex.

Die Ölpreise stehen nach Bekanntgabe der US-Vorratsdaten für die vergangene Woche stark unter Druck und büßen über 2 Prozent ein auf das niedrigste Niveau seit rund drei Wochen. Zwar sind die Ölvorräte sehr stark gesunken, was normalerweise den Ölpreis eher beflügelt, allerdings dürfte hierbei der Hurrikan Laura mit eine Rolle gespielt haben. So hätten Tanker ihre Fracht in Häfen im Golf von Mexiko wegen des Sturms nicht anlanden können. Ungünstig für die in Dollar abgerechneten Ölpreise ist daneben der festere Dollar.

Die Erholung des Greenback lastet auch auf dem Goldpreis. Die Feinunze ermäßigt sich fast 1,5 Prozent oder 30 Dollar auf 1.940 je Feinunze.

Am Anleihemarkt steigen die Kurse weiter. Die Zehnjahresrendite ermäßigt sich um weitere knapp 3 Basispunkte auf 0,65 Prozent.

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September 02, 2020 12:26 ET (16:26 GMT)

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