Alt 01.03.22, 22:09
Standard Anleger flüchten aus Aktien in Anleihen - Ölpreise haussieren
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NEW YORK (Dow Jones)--Die an Schärfe zunehmenden russischen Angriffe auf Ziele in der Ukraine haben am Dienstag an den US-Börsen für eine Flucht aus Aktien gesorgt. Zugleich trieb das Bedürfnis nach Sicherheit die Anleger erneut in Anleihen und andere sogenannte sichere Häfen. Offenbar nimmt das russische Militär zusehends auch zivile Einrichtungen unter Beschuss. Am sechsten Tag der Invasion wurde unter anderem der Kiewer Fernsehturm so schwer beschädigt, dass von diesem zunächst keine Ausstrahlung mehr möglich ist. Für Beunruhigung an den Finanzmärkten sorgte insbesondere auch, dass sich ein 60 Kilometer langer russischer Militärkonvoi Kiew nähern soll.

"Der Russland-Ukraine-Konflikt hat die Märkte in eisernem Griff, die Ölpreise steigen und die Renditen fallen angesichts des schwindenden Raums für Verhandlungen und sich verhärtender Positionen", kommentierte Währungsexperte Karl Schamotta von Corpay das Tagesgeschehen.

Dass der Einkaufsmanagerindex (ISM) für das verarbeitende US-Gewerbe im Februar besser als gedacht ausfiel, spielte in dieser Gemengelage ebenso keine Rolle wie andere Konjunkturdaten des Tages.

Der Dow-Jones-Index sackte um 1,8 Prozent ab auf 33.295 Punkte. Die anderen großen Indizes schnitten zwar etwas besser ab, gingen aber ebenfalls deutlich tiefer aus dem Tag. An der Nyse gab es 1.271 (Montag: 1.525) Kursgewinner und 2.112 (1.852) -verlierer. Unverändert schlossen nach ersten Angaben 117 (114) Titel.

US-Marktzinsen weiter im Sturzflug

Am Ölmarkt schossen die Preise förmlich nach oben auf neue Siebenjahreshochs wegen des Ausfalls russischer Öl- und Gaslieferungen als Folge der westlichen Sanktionen. Dass die Mitglieder der Internationalen Energieagentur die Freigabe von 60 Millionen Barrel an Ölreserven beschlossen, bremste den Anstieg zumindest zunächst nicht. Unter anderem hieß es dazu, dass es eine Weile dauern dürfte, bis dieses Öl verfügbar sei. US-Öl der Sorte WTI verteuerte sich um rund 9,5 Prozent auf 104,85 Dollar, Brentöl stieg um 8,0 Prozent auf 105,85 Dollar.

Die immer weiter steigenden Energiepreise befeuerten wiederum Befürchtungen, dass die ohnehin schon hohe Inflation weiter angeheizt werden könnte, was die Notenbanker mit scharfen Zinserhöhungen auf den Plan rufen könnte.

Dennoch ging es mit den Kursen der Anleihen weiter steil aufwärts. Die Renditen sanken entsprechend deutlich, im Zehnjahresbereich um 10 Basispunkte auf 1,73 Prozent. Zum Ende der Vorwoche lag die Rendite noch bei 1,99 Prozent.

Als sicherer Hafen gilt auch das Gold, wobei das Edelmetall zugleich auch davon profitierte, dass Anleihen angesichts der fallenden Zinsen relativ an Attraktivität als Anlage verloren. Die Feinunze verteuerte sich um weitere 2,0 Prozent bzw. 38 Dollar auf 1.947.

Ein ähnliches Bild wie am Vortag zeigte sich auch am Devisenmarkt, nur dass der Dollar diesmal sehr viel stärker zulegte. Der Dollar-Index stieg um 0,7 Prozent. Die ebenso als sichere Häfen geltenden Yen und Franken waren ebenfalls weiter gesucht, sie konnten sich zum Dollar behaupten.

Bankaktien erneut sehr schwach

Am Aktienmarkt wurden weiter Bankaktien verkauft. Neben den fallenden Marktzinsen litten sie unter dem Gegenwind durch die gegen Russland verhängten Finanzsanktionen, weil diese auch die Geschäfte der westlichen Banken beeinträchtigen. Unter anderem wurden die russischen Banken vom internationalen Zahlungssystem Swift ausgeschlossen und erste Auslandstöchter stehen nun vor der Pleite. Der S&P-500-Subindex der Banken rutschte um 4,8 Prozent ab und war mit Abstand das Schlusslicht.

Auf der Gewinnerseite standen zwar erneut Aktien aus dem Energiesektor. Hier fiel das Plus gemessen am Subindex aber mit 1,0 Prozent diesmal relativ bescheiden aus im Vergleich zu den haussierenden Ölpreisen.

Target nach Zahlenvorlage mit Kurssprung - Zoom enttäuscht

Auf Unternehmensseite machte vereinzelt noch die Berichtssaison die Kurs. Die Supermarktkette Target hatte Geschäftszahlen vorgelegt, die Licht und Schatten zeigten. Dafür überzeugte der Ausblick, der Kurs schnellte um 9,8 Prozent nach oben.

Überraschend gut fielen die Zahlen des Softwareanbieters Workday (+4,9%) aus. Bei Zoom Video Communications (-7,4%) verlangsamte sich dagegen das Wachstum abermals. Das Unternehmen, das zu den Gewinnern der Pandemie zählte, übertraf gleichwohl die Erwartungen der Analysten.

Belastet von Produktionsengpässen reduzierte der Elektroautohersteller Lucid (-13,8%) derweil sein Produktionsziel für das laufende Jahr.

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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March 01, 2022 16:12 ET (21:12 GMT)

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