Alt 08.08.20, 08:57
Standard Uneinheitlich - Konflikt USA-China belastet Technologiesektor
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NEW YORK (Dow Jones)--Gewinnmitnahmen vor allem im Technologiesektor haben zum Wochenausklang das Bild an den US-Börsen geprägt. Der mit Spannung erwartete offizielle Arbeitsmarktbericht für Juli gab dem Markt keine Impulse. Die US-Wirtschaft hat im vergangenen Monat zwar deutlich mehr neue Stellen geschaffen als zugetraut. Auch ging die Arbeitslosenquote auf 10,2 Prozent zurück - hier lag die Erwartung bei 10,6 Prozent. Der Arbeitsmarkt bleibe aber schwach, hieß es mit Blick auf die Quote. Zudem lasse die Dynamik des Stellenaufbaus gegenüber Juni schon wieder nach. Für einen positiven Stimmungsumschwung seien die Daten daher kaum geeignet.

Denn zwei Belastungsfaktoren blieben: Zum einen schien es zunächst unwahrscheinlich, dass sich die US-Politik bis zum selbsterklärten Fristende an diesem Freitag auf eine Verlängerung der Corona-Hilfen in den USA verständigt. Die gesunkene Arbeitslosenquote schmälert nach Meinung von Händlern den Einigungswillen.

China-Spannungen belasten

Zum anderen konnte von der erhofften Entspannung im US-chinesischen Dauerzwist keine Rede sein. US-Präsident Donald Trump hat den Druck auf Betreiber chinesischer Apps massiv erhöht und droht sogar mit Verboten. Auch gegen in den USA gelistete Unternehmen aus China will Trump vorgehen. Zudem belastet der angekündigte Besuch des US-Gesundheitsministers in Taiwan die ohnehin angespannten US-chinesischen Beziehungen. Dass bei dem anberaumten Treffen hochrangiger Vertreter beider Länder Mitte des Monats eine Beilegung der diversen Streitpunkte erfolgt, halten Beobachter für zunehmend unwahrscheinlich.

Der Dow-Jones-Index machte anfängliche Verluste im späten Handel wett und stieg um 0,2 Prozent auf 27.433 Punkte, der S&P-500 gewann 0,1 Prozent. Der technologielastige Nasdaq-Composite gab um 0,9 Prozent nach. Der Index war in den vergangenen Tagen von Rekord zu Rekord geeilt und hatte am Donnerstag erstmals die Marke von 11.100 Punkten überwunden. An der Nyse wurden 1.810 (Donnerstag: 1.460) Kursgewinner und 1.169 (1.497) -verlierer gesehen. Unverändert schlossen 66 (103) Titel.

Dollar erholt sich

Am Devisenmarkt stieg der ICE-Dollarindex um 0,7 Prozent. Die Risikoneigung habe sich in der Woche verschlechtert wegen der Spannungen zwischen China und den USA, dies komme dem Greenback zugute, hieß es. Analysten sprachen zudem von Ermüdungserscheinungen der Euro-Rally. Die Gemeinschaftswährung fiel auf rund 1,1780 nach einem Zweijahreshoch von 1,1916 am Vortag.

Die Notierungen der US-Renten sanken nach den Arbeitsmarktdaten. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg um 2 Basispunkte auf 0,56 Prozent.

Nach einem abermaligen Rekordstand von 2.075 Dollar gab der Goldpreis 1,4 Prozent auf 2.034 Dollar nach. Der etwas festere Dollar belastete das Edelmetall. Fundamental bleibe die Rally aber intakt, hieß es. Der Arbeitsmarkt in den USA bleibe schwach.

Während der Fasspreis für US-Leichtöl der Sorte WTI um 1,7 Prozent auf 41,22 Dollar nachgab, verbilligte sich europäisches Referenzöl der Sorte Brent um 1,5 Prozent auf 44,40 Dollar. Die Spannungen zwischen China und den USA dürften Wachstum kosten und so die Nachfrage dämpfen, so die Befürchtung am Erdölmarkt. Überdies belastete wie beim Gold der starke Dollar. Dass in den USA aus immer weniger Bohrlöchern Öl gefördert wird, half nicht: Wie das Unternehmen Baker Hughes mitteilte, sank die Zahl der "aktiven" Ölförderanlagen in dieser Woche um vier auf 176. Dies ist der tiefste Stand seit 15 Jahren.

Corona-Verlierer unter den Unternehmen

Unter den Einzelaktien stiegen die Titel der Telekom-Tochter T-Mobile US nach der Erstkonsolidierung des gekauften Wettbewerbers Sprint um 6,5 Prozent. Der Umsatz machte dank der Fusion mit dem Wettbewerber im zweiten Quartal einen Sprung um 11 Milliarden Dollar.

Uber Technologies hat im zweiten Quartal erneut einen massiven Verlust eingefahren - Analysten hatten zwar Schlimmeres befürchtet, die Titel des Fahrdienstvermittlers sanken aber um 5,2 Prozent. Illumina brachen um fast 11 Prozent ein, weil das Biotechnologie-Unternehmen hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist.

Weniger schlimm als befürchtet fiel wiederum der Verlust von Groupon aus. Die Aktie des Gutscheinvermittlers sprang um fast 57 Prozent nach oben.

TripAdvisor meldete einen Umsatzeinbruch um 86 Prozent und rutschte in die Verlustzone. Überdies fiel der bereinigte Verluste höher als befürchtet aus. Die Aktie büßte 2,4 Prozent ein.

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August 07, 2020 16:11 ET (20:11 GMT)

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