Alt 16.01.19, 18:07
Standard Das Ende rückt näher
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Erwartete Ablehnung.

Gut zweieinhalb Jahre nach dem Brexit-Referendum weist der Fahrplan endlich auf ein baldiges Ende der Brexit-Verhandlungen hin. Doch auch in der finalen Phase bleibt immer noch genügend Raum für weitere Diskussionen, politisches Tauziehen, personelle Veränderungen und überraschende Kehrtwenden.

Die von Theresa May unterstützte Ausarbeitung zum Brexit-Deal wurde vom britischen Unterhaus mit Nachdruck abgeschmettert. Durch die klare Positionierung aller Beteiligten war dieses Ergebnis jedoch zu erwarten, dementsprechend zeigten sich die Aktienmärkte unbeeindruckt. Für eine „Entwarnung“ ist es jedoch eindeutig zu früh - die Unsicherheit bleibt hoch. Verschiedene Szenarien stehen im Raum, die allesamt für eine weitere Verzögerung des Brexit sprechen. Es erscheint unwahrscheinlich, dass im Eilverfahren noch eine Kompromisslösung gefunden wird. Ausschließen kann man zu diesem Zeitpunkt allerdings nichts - selbst ein zweites Referendum wird als mögliche, wenn auch unwahrscheinliche Variante genannt. Vor allem ist es jedoch die Angst der Anleger vor einem ungeordneten Austritt, die einen negativen Einfluss auf die Marktstimmung ausübt.

Wie reagieren die Märkte?

Die Situation ist mittlerweile derart verfahren, dass wohl jede Lösung auch mit positiven Wirkungen verbunden wäre - weil sich die aufgestaute Unsicherheit endlich verflüchtigen kann. Ein harter Brexit mit einem ungeordneten Austritt Großbritanniens aus der EU ist aus Sicht der Märkte die am schwersten zu verdauende Lösung, doch selbst dieses Szenario würde für die zukunftsorientierten Märkte keinen negativen Schock mehr bedeuten. Vor allem hatten die Unternehmen ein ausreichendes Zeitfenster zur Verfügung, um sich auf diese Situation einzustellen, dementsprechend haben sie eine defensive Grundhaltung eingenommen. Aus dem globalen Blickwinkel relativiert sich zudem der Einfluss des Brexit auf die Weltwirtschaft.

Schwere Zeiten für EU-Gegner

Noch im Jahr 2017 wurden Ansteckungseffekte für ganz Europa befürchtet, die eine destabilisierende Wirkung entfalten könnten. Aufkeimender Populismus und wichtige Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland waren für skeptische Kommentatoren 2017 die Anlässe zur Sorge, dass das britische Beispiel Schule machen würde. Mit den aktuellen Brexit-Diskussionen geht vor allem auch eine Signalwirkung einher: Wer sich von der EU abwendet, dem drohen wirtschaftliche und gesellschaftliche Konsequenzen. Von Anfang an war klar, dass die EU in den Verhandlungen eine relativ harte Linie fahren würde. Die spürbare Hilflosigkeit der britischen Politiker verdeutlicht mittlerweile auch, dass sich so mancher diesen gesamten Vorgang lieber gespart hätte. Wenn schon die Wirtschaftsmacht Großbritannien den Austritt nur schwer verkraftet - mit einer drohenden Rezession vor Augen, bürokratischem Chaos und wirtschaftlichen Hindernissen - werden sich EU-kritische Populisten in anderen Ländern gut überlegen müssen, ob die Anti-EU-Stimmung bei den Bürgern wirklich gut ankommt. Dementsprechend ist die Diskussion, ob weitere Länder dem britischen Beispiel folgen könnten, aktuell komplett vom Tisch.

Fazit

Mit den finalen Brexit-Verhandlungen neigt sich ein für die Märkte unbequemes Thema dem Ende zu. Das politische Theater wird bis zum letzten Moment anhalten. Die Kapitalmärkte blicken in die Zukunft und haben dieses Thema längst verdaut - auch wenn kurzfristig volatile Marktreaktionen, insbesondere bei einem „No Deal“-Brexit natürlich nicht ausgeschlossen sind.

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Für Inhalt und Rechtmäßigkeit dieses Beitrags trägt der Verfasser Thomas Grüner die alleinige Verantwortung. (s. Haftungshinweis)  
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