Alt 28.02.20, 00:19
Standard Börsen krachen wegen Corona-Epidemie erneut ein
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NEW YORK (Dow Jones)--Die US-Börsen haben am Donnerstag aus Angst vor einer Pandemie erneut ganz tief im roten Bereich geschlossen. Der Dow-Jones-Index brach um 4,4 Prozent weg auf 25.765 Punkte. Der S&P-500 schloss ebenfalls 4,4 Prozent tiefer bei 2.979 Punkten, während der Nasdaq-Composite sogar um 4,6 Prozent einstürzte auf 8.567 Punkte. Den 331 (Mittwoch: 1.013) Kursgewinnern an der NYSE standen 2.681 (1.948) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 30 (79) Aktien.

Negative Impulse kamen auch aus Europa, wo Aktienindizes wie der DAX und der Euro-Stoxx-50 zeitweise deutlich über 4 Prozent verloren. Die Zweitlesung des US-BIP im vierten Quartal 2019, die sowohl dem vorläufig gemeldeten Wert entsprach als auch dem Ökonomenkonsens, verpuffte ebenso wie die übrigen Konjunkturdaten.

Neben dem BIP wurde der Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter veröffentlicht. Er schrumpfte im Januar deutlich weniger stark als erwartet. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lag in der vergangenen Woche derweil etwas höher als erwartet, aber immer noch auf sehr niedrigem Niveau. "Die Daten sind ein Rückspiegel in die Vergangenheit", so ein Händler. Mit dem Coronavirus würden die Karten neu gemischt.

Zur Verunsicherung trugen neben den vor allem außerhalb Chinas steigenden Fallzahlen Meldungen bei wie die über eine Neuinfektion einer zuvor bereits als geheilt entlassenen Patientin in Japan oder über einen in den USA infizierten Mann, bei dem der Ansteckungsweg bislang nicht nachvollziehbar ist.

Gewinnwarnung von Microsoft

Derweil mehrten sich die Warnungen von Unternehmen, dass wegen Störungen der Lieferkette vor allem in China als Folge der Virusausbreitung Umsatz- und Gewinnausblicke nicht mehr zu halten sind. Prominentestes Beispiel war Microsoft, nachdem vor einigen Tagen bereits Apple eine entsprechende Warnung gegeben hatte. Microsoft fielen um 7,0 Prozent, Apple um 6,7 Prozent. Auch der Bezahldienstleister Paypal rechnet wegen des Coronavirus mit Belastungen. Die Epidemie habe sich negativ auf die internationalen grenzüberschreitenden E-Commerce-Aktivitäten ausgewirkt, teilte das Unternehmen mit. Die Gewinnerwartungen wurden jedoch bestätigt. Die Paypal-Aktie schloss 1,1 Prozent leichter.

Facebook hat indessen wegen des Coronavirus seine jährliche Entwicklerkonferenz ab. "Gesundheit und Sicherheit" der Facebook-Partner und Mitarbeiter hätten Vorrang, so der Onlineriese. Die Aktie fiel 3,8 Prozent.

Boeing verloren 5,8 Prozent. Der US-Flugzeughersteller hat sich mit Triebwerkszulieferern wegen der mit einem Flugverbot belegten Maschine des Typs 737 Max geeinigt. Der Konzern hat sich dabei bereit erklärt, die Kosten für die Triebwerke zu übernehmen, die durch Produktionsverzögerungen hervorgerufen wurden. Die Aktie des Zulieferers General Electric schlossen 5,1 Prozent niedriger.

Daneben wurden diverse Einzelwerte von veröffentlichten Quartalszahlen bewegt und konnten sich teilweise dem negativen Sentiment entziehen. Unter anderem galt dies für L Brands (plus 1,1 Prozent), Marriott International (minus 0,5 Prozent), Booking Holdings (minus 1,1 Prozent), Etsy (plus 14,2 Prozent) und Teladoc (plus 15,7 Prozent).

Treasury-Renditen auf Rekordtief - Ölpreise setzen Talfahrt fort

Weiter gesucht waren in diesem Umfeld als sicher geltende Anlagehäfen wie Staatsanleihen und Gold. Mit 1,26 Prozent hatte die zehnjährige US-Rendite ein weiteres Rekordtief erreicht. Zu Handelsschluss zeigte sie sich 5,1 Basispunkte niedriger bei 1,28 Prozent. Die Feinunze Gold kostete 1.641 Dollar gegenüber 1.630 Dollar im Tief am Mittwoch.

Rasant nach unten ging es mit den Ölpreisen. Auf ihnen lastete die Befürchtung, dass eine Coronavirus-Pandemie die Ölnachfrage drastisch zurückgehen lässt. Das Barrel US-Rohöl der Sorte WTI verbilligte sich um 4,2 Prozent auf 46,66 Dollar. Brent gab um 2,7 Prozent nach auf 51,97 Dollar.

Erwartungen, dass die US-Notenbank mit Zinssenkungen auf die Virus-Krise reagieren wird, schwächten derweil den Dollar. Der Euro stieg im Gegenzug auf 1,0992 Dollar, am Mittwoch notierte die Gemeinschaftswährung noch knapp unter der Marke von 1,09 Dollar. Die japanische Währung profitierte zusätzlich von ihrem Ruf als Fluchtwährung in Krisenzeiten. Der Dollar notierte bei 109,82 Yen, am Vortag wurden in der Spitze 110,70 Yen gezahlt.

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February 27, 2020 16:15 ET (21:15 GMT)

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