Alt 17.08.21, 06:58
Standard Die Geldpolitik der EZB: Anhaltende Niedrigzinsen
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Der zugrunde liegende reale Gleichgewichtszinssatz seit den 1980er Jahren tendenziell gesunken. Der reale Gleichgewichtszins (in der Regel als r* bezeichnet) ist der Zinssatz, der erforderlich ist, um das gewünschte Niveau von Sparen und Investitionen zu erreichen. Das langsamere Bevölkerungswachstum, die steigende Lebenserwartung und die Überalterung der Bevölkerung wirken über mehrere Kanäle, um die gewünschte Ersparnis zu erhöhen und die gewünschte Investition zu verringern. Im Jahr 2001 waren Forex-Trading Aktivitäten einer der ersten Marktbereiche, die für Kunden zugänglich waren.


Ein Rückgang der gewünschten Investitionen spiegelt auch ein langsameres Produktivitätswachstum und möglicherweise Verschiebungen in der Struktur der gesamtwirtschaftlichen Produktionsfunktion wider. Im Gefolge der globalen Finanzkrise könnte auch die Risikobereitschaft abgenommen haben, was einen negativen Anreiz für Investitionen darstellt, das Motiv des vorsorglichen Sparens verstärkt und eine Umschichtung des Portfolios in weniger riskante Vermögenswerte wie Staatsanleihen fördert.

Was beeinflusst die Gesamtnachfrage?

Die Fiskalpolitik beeinflusst die Gesamtnachfrage durch Änderungen der Staatsausgaben und der Besteuerung. Diese Faktoren beeinflussen die Beschäftigung und das Haushaltseinkommen, was sich wiederum auf die Verbraucherausgaben und Investitionen auswirkt.

Die Geldpolitik wirkt sich auf die Geldmenge in einer Volkswirtschaft aus, was wiederum die Zinssätze und die Inflationsrate beeinflusst. Sie wirkt sich auch auf die Expansion der Wirtschaft, die Nettoexporte, die Beschäftigung, die Kosten der Verschuldung und die relativen Kosten des Konsums gegenüber dem Sparen aus - alles Faktoren, die sich direkt oder indirekt auf die Gesamtnachfrage auswirken.

Der niedrige reale Gleichgewichtszins wurde durch die schwache nominale Entwicklung im letzten Jahrzehnt noch verstärkt. Die weltweite Finanzkrise (sowie die Staatsschuldenkrise im Fall des Euroraums) führten zu einer beträchtlichen Flaute auf den Arbeitsmärkten und bei der Kapazitätsauslastung. Im Euroraum bedeutete die Konzentration auf die Haushaltskonsolidierung nach der Krise, dass der finanzpolitische Kurs die Binnennachfrage bis vor kurzem nicht unterstützte.

Angesichts dieser Kräfte hat die EZB einen akkommodierenden geldpolitischen Kurs eingeschlagen, der seit 2014 durch eine Kombination aus folgenden Maßnahmen gekennzeichnet ist (a) einem negativen Leitzins, (b) einem Programm zum Ankauf von Vermögenswerten, (c) gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (TLTROs) und (d) zukunftsgerichteten Leitlinien für die Entwicklung der geldpolitischen Instrumente. Mit diesem geldpolitischen Kurs ist es gelungen, das Deflationsrisiko abzuwehren und in jüngster Zeit einen Wiederanstieg der Lohninflation zu unterstützen (durch den akkumulierten Abbau der Flaute auf dem Arbeitsmarkt).

Allerdings ist weiterhin eine akkommodierende Geldpolitik erforderlich, um eine robuste Annäherung der Preisinflation an unser Ziel zu gewährleisten.Diese anhaltende Periode einer unter dem Ziel liegenden Inflation spiegelt sowohl das Ausmaß der Konjunkturflaute nach der Krise als auch den inhärenten Gradualismus der Inflationsanpassung in diesem Umfeld wider.

Während eine über dem Ziel liegende Inflation durch eine drastische Straffung der Geldpolitik bekämpft werden kann, bedeutet die Untergrenze des politischen Spielraums, dass die Lockerungsmaßnahmen in Form von weniger drastischen Anpassungen erfolgen müssen, die über einen längeren Zeitraum beibehalten werden.

Ein sich daraus ergebendes Grundprinzip bei der Gestaltung der Geldpolitik in diesem Umfeld ist, dass - um eine langfristige Verankerung der Inflationserwartungen zu vermeiden - Lockerungsmaßnahmen ausreichend präventiv sein müssen, um ein weiteres Abdriften der Inflationsdynamik nach unten zu verhindern.

Unter Bedingungen, in denen die Leitzinsen im Laufe der Zeit wahrscheinlich nur allmählich steigen werden, haben fiskalische Maßnahmen zudem eine besonders starke makroökonomische Wirkung, da sie sowohl zur Stabilisierung im Falle negativer Schocks beitragen als auch die Rückkehr der Inflation zu unserem Ziel unterstützen.

Schlussfolgerung

Abschließend habe ich kurz einige der Kräfte beschrieben, die den derzeitigen geldpolitischen Kurs der EZB bestimmen. Es gibt jedoch noch viele offene Fragen, die sich aus der Kombination von niedrigen Zinsen und niedriger Inflation ergeben. Die diesjährige Überprüfung unserer geldpolitischen Strategie bietet daher eine ausgezeichnete Gelegenheit, Bilanz zu ziehen, über unsere Erfahrungen nachzudenken und ein breites Spektrum an externen Stimmen zu hören.
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