Alt 28.09.21, 23:29
Standard Zinssorgen treiben Anleger in die Flucht
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NEW YORK (Dow Jones)--Zinssorgen haben am Dienstag schwer auf der Stimmung an der Wall Street gelastet. Die Marktzinsen setzten ihre Aufwärtsbewegung den sechsten Tag in Folge fort, die Rendite zehnjähriger US-Anleihen erreichte zuletzt 1,54 Prozent, fast 25 Basispunkte mehr als vor Wochenfrist. Hintergrund ist die Aussicht auf eine straffere Geldpolitik in den USA, genährt von Aussagen diverser Notenbanker. Am Markt sorgte das auch für Befürchtungen, dass es zu vorschnellen Beschlüssen kommen könnte, die dann die Konjunktur bremsen würden.

Der Dow-Jones-Index büßte 1,6 Prozent ein auf 34.300 Punkte, der S&P-500 sackte um 2,0 Prozent ab. Wachstumstitel wie vor allem Technologieaktien wurden erneut besonders abverkauft, weil sie als stark zinsempfindlich gelten. Die Nasdaq-Indizes knickten um bis zu 2,9 Prozent ein. Im Dow waren die beiden Technologietitel Microsoft (-3,4%) und Salesforce (-2,6%) die Schlusslichter. Alle Indizes gingen nahe den Tagestiefs aus dem Handel.

An der Nyse wurden nach ersten Angaben 643 (Montag: 1.962) Kursgewinner und 2.679 (1.373) -verlierer gezählt. Unverändert schlossen 84 (108) Titel.

Zur Angst vor steigenden Zinsen trugen zusätzlich die immer weiter steigenden Energiepreise bei. In die gleiche Kerbe schlugen Aussagen von Notenbankchef Powell, wonach sich einige inflationstreibende Angebotsengpässe verschärft haben. Die Notenbank gehe jedoch nach wie vor davon aus, dass der starke Inflationsanstieg nur auf eine sehr geringe Kategorie von Gütern zurückzuführen sei und die Teuerung zurückgehen werde.

Marktexperte Giles Coghlan von HYCM sprach von einer Aufholbewegung des Marktes. Der habe anfangs auf falkenhafte Signale der Notenbank kaum reagiert und hole dies nun nach.

Einige Investoren zeigten sich von der Aktienschwäche nicht überrascht, schließlich sei es für den S&P-500 sieben Monate nur nach oben gegangen. Außerdem zeigten Daten, dass der Markt zu Monatsbeginn stark auf niedrige Zinsen und eine gedämpfte Inflation gewettet habe. Das mache sich nun in der Dynamik nach unten bemerkbar.

Auch Streit um Haushalt beunruhigt

Konjunkturseitig kam ein Dämpfer vom US-Verbrauchervertrauen, das im September deutlich unter der Erwarten ausfiel. Für Belastung sorgt aber auch, dass es weiter keine Einigung auf einen Haushalt in den USA gibt. Damit drohe im Oktober die Zahlungsunfähigkeit, warnte das Finanzministerium. US-Finanzministerin Yellen warnte vor einer "historischen Finanzkrise" und einer "wirtschaftlichen Katastrophe". In der Nacht zum Freitag endet das Haushaltsjahr.

Für den Dollar ging es mit den steigenden Zinsen nach oben, der Dollar-Index gewann 0,4 Prozent. Gold verbilligte sich um 16 auf 1.733 Dollar je Feinunze. Die steigenden Renditen machen das Edelmetall als Anlage weniger attraktiv, zugleich bremste der festere Dollar, weil das Gold in Dollar gehandelt wird.

Technologieaktien wieder Schlusslicht

Am Aktienmarkt verloren die S&P-500-Subindizes Software, Medien und Halbleiter bis zu 3,8 Prozent. Tagesgewinner war wie am Vortag der Energiesektor (+0,5%) angesichts der breit angelegten Hausse bei den Energiepreisen, unter anderem befeuert vom engen Gasmarkt in Europa. Der US-Erdgaspreis erreichte ein Siebenjahreshoch. Die Ölpreise gaben dagegen um rund 1 Prozent nach. Unter anderem lenkten Teilnehmer den Blick auf die Opec-Sitzung in der kommenden Woche. Dort könnten angesichts der jüngsten Entwicklungen möglicherweise höhere Förderquoten ein Thema werden, hieß es.

Der Bankensektor legte nur anfangs weiter zu, büßte aber am Ende 1,1 Prozent ein. Steigende Zinsen sind zwar günstig für die Gewinnmargen, Banken gelten aber auch als zyklisch, würden also unter einer Konjunkturabschwächung besonders leiden.

Mit dem schwachen Halbleitersektor verloren Micron 2,8 Prozent vor den Quartalszahlen nach Börsenschluss. Nvidia rutschten um 4,5 und Applied Materials um fast 7 Prozent ab, zusätzlich belastet von einer Herunterstufung auf "Neutral" durch New Street Research.

Pfizer verloren 1,2 und Biontech 10 Prozent. Die Zulassung des Impfstoffs von Pfizer und Biontech für Kleinkinder könnte sich bis November verschieben, hieß es von Informanten.

Merck & Co (-0,1%) steht laut Informanten vor einem Zukauf zur Stärkung seines Geschäfts mit Therapien für seltene Krankheiten und verhandelt über die Übernahme von Acceleron (+2,2%).

Ford Motor (+1,1%) profitierten von Plänen, 7 Milliarden Dollar für den Aufbau von Batterieproduktionsstätten in die Hand zu nehmen, im Zuge einer Kooperation mit SK Innovation. Geplant ist außerdem die Herstellung von Elektro-Lkw.

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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September 28, 2021 16:12 ET (20:12 GMT)

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