Alt 06.06.17, 09:49
Standard Etwas leichter - Politik im Fokus
Beitrag gelesen: 349 x 

FRANKFURT (Dow Jones)--Leichter zeigen sich Europas Aktienmärkte am Dienstag rund eine Stunde nach Handelsbeginn. Viele Akteure halten sich angesichts wieder verstärkt wahrgenommener politischer Risiken eher zurück. Der DAX gibt um 0,4 Prozent nach auf 12.775 Punkte, der Euro-Stoxx-50 fällt um 0,3 Prozent auf 3.570 Zähler.

Eines der Hauptthemen ist die Lage im Nahen Osten, nachdem Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen haben wegen des Vorwurfs, Terrorismus zu unterstützen. Auch weil das vor allem von seinem Erdgasreichtum lebende Katar die größte US-Luftwaffenbasis im Nahen Osten beherberge, sorge dies für Erstaunen. US-Präsident Donald Trump will mit den Beteiligten sprechen, um die Situation zu beruhigen, wie eine Sprecherin des Weißen Hauses inzwischen sagte.

Die Auswirkungen auf den Ölmarkt sind bislang eher moderat. Zunächst zogen die Preise am Montag an, seitdem zeigt der Preistrend klar nach unten. Marktbeobachter machen dafür vor allem das globale Dauerproblems des Öl-Überangebots verantwortlich.

Bange Blicke auf den Donnerstag - Wahl in Großbritannien

Die Vorsicht am Markt könnte bis Donnerstag anhalten, weil erst dann die zentralen Ereignisse der Woche anstehen, nämlich die Anhörung des von Trump entlassenen FBI-Direktors James Comey vor einem Senatsausschuss, die EZB-Sitzung und besonders die Wahlen in Großbritannien. Hier könnte es zu Überraschungen kommen, wenngleich den jüngsten Umfragen zufolge der Vorsprung von Premierministerin Theresa May und ihrer Tory-Partei wieder gewachsen ist. Die Analysten von Goldman Sachs warnen, dass die Volatilitäten am englischen Aktienmarkt das mögliche Risiko derzeit noch nicht einpreisen. Die Anbieter der in England populärer spekulativer Derivate hätten daher ihre Anforderungen an zu hinterlegende Sicherheitsleistungen im Vorfeld der Wahl erhöht.

Gesucht sind in dieser Gemengelage sichere Häfen wie das Gold und der Yen. Die Feinunze kostet 1.289 Dollar, knapp 1 Prozent mehr als im US-Geschäft am Montag. Das ist der höchste Stand seit Mitte April. Das Pfund zieht leicht an in die Nähe des Vortageshochs, nachdem es sich bereits am Montag im Verlauf kräftiger erholt hatte. Der Terroranschlag in London vom Wochenende spielt hier ebenso allenfalls eine untergeordnete Rolle wie am Londoner Aktienmarkt.

Kurse der Fluggesellschaften wieder im Aufwind

Wieder deutlicher aufwärts geht es mit einigen den Aktien der Fluggesellschaften nach optimistischeren Prognosen des Branchenverbands IATA. Lufthansa setzen sich mit 1,8 Prozent Plus an die DAX-Spitze. Air France-KLM legen 1,6 Prozent zu und Easyjet 1,3 Prozent. Der Verband rechnet wegen einer höher als erwarteten Nachfrage im laufenden Jahr mit einem branchenweiten Gewinn von 31,4 Milliarden Dollar. Bislang war IATA von 29,8 Milliarden Dollar ausgegangen. Am Vortag hatten die Papiere der Branche in Reaktion auf den Terroranschlag stärker unter Druck gestanden.

Bei den schweren Einzelaktien ragen Roche mit einem Minus 4,1 Prozent hervor. Hier harmoniert das erst kürzlich auf den Markt gebrachten Medikament Perjeta gegen Brustkrebs nicht wie erhofft mit anderen Wirkstoffen. Dies sorgt nach hohen Erwartungen für eine kräftige Enttäuschung. Die Analysten von Bryan Garnier senken darauf ihre Umsatzschätzung für das Medikament um 900 Millionen Franken und ziehen ihre Kaufempfehlung für die Aktie zurück.

Der Aluminiumhersteller Norsk Hydro verzeichnet Lieferschwierigkeiten wegen der Spannungen in Katar. Normalerweise würde ein ansässiges Gemeinschaftsunternehmen der Norweger die meisten Aluminiumexporte vom großen Hafen Jebel Ali in die Vereinigten Arabischen Emirate befördern. Dieser Hafen scheine aber für alle Lieferungen aus Katar seit Dienstagmorgen geschlossen zu sein, so Norsk Hydro. Norsk Hydro verlieren 1,5 Prozent.

Kapitalerhöhung lastet auf Tom Tailor

In der dritten deutschen Reihe fallen Tom Tailor um 3,9 Prozent zurück nach der Ankündigung einer Kapitalerhöhung. Im Handel wird sie jedoch als "wichtiger Schritt" auf dem Weg der Restrukturierung gesehen und nicht negativ gewertet. Der Modekonzern will auf diesem Weg 61,2 Millionen Euro einnehmen. Den Großteil wollen die Hamburger für Investitionen verwenden, hauptsächlich für die Verbesserung der Informationstechnologie und des E-Commerce.

Rocket Internet zeigen sich kaum bewegt von der Nachricht, dass die Tochter Delivery Hero in den kommenden Monaten an die Börse gehen will. Das sei seit längerem so erwartet worden heißt es. Zudem fehlten noch die Details.

Daneben sorgen Umstufungen für Bewegung: So fallen Wacker Chemie um 3,6 Prozent auf 97 Euro, nachdem sie von der UBS auf "Sell" von "Buy" abgestuft wurden. Auch das Kursziel wurde drastisch zusammengestrichen auf 81 nach zuvor 117 Euro.

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/mod/gos

(END) Dow Jones Newswires

June 06, 2017 04:14 ET (08:14 GMT)

Copyright (c) 2017 Dow Jones & Company, Inc.
Für Inhalt und Rechtmäßigkeit dieses Beitrags trägt der Verfasser Dow Jones die alleinige Verantwortung. (s. Haftungshinweis)  
 Es ist 05:11 Uhr.
Top 



copyright: imagine Grafik - DTP - Webdesign - [AGB / Datenschutz]